„Dinge, die in einer Kultur unhöflich sind können in einer anderen Kultur das Gegenteil sein.“

Beim lesen eines Interviews bleiben mir oft die ein oder andere Aussage im Kopf über die ich danach selbst auch nachdenke. Stimmt das was da steht? Hätte ich auch so gehandelt? Macht diese Aussage überhaupt Sinn oder ist sinnlos?

Am Montag war endlich die Januarausgabe der BIG bei mir im Briefkasten. In ihr ist unter anderem ein Interview mit Yassin Idbihi, deutscher Center von Alba Berlin mit marokkanischen Wurzeln. Yassin ist wirklich einer meiner Lieblingsspieler und so stürzte ich mich zuallererst auf das Interview mit ihm. Yassin erzählte von seiner Kindheit in Marokko, dem aufwachsen mit mehreren Kulturen und schließlich auch wie die Anfangsjahre in Deutschland waren, als Yassin mit 15 Jahren nach Deutschland gekommen ist. Besonders seine Antwort auf die Frage, was ihm am Anfang besonders schwergefallen ist blieb mir im Kopf. Yassin sagte: „Das waren Kleinigkeiten. Wenn zum Beispiel jemand in Marokko etwas zu essen hat, dann gehört es sich, dass man dies mit allen teilt. Ich habe eine Tüte Chips und wenn ich die esse und niemandem etwas anbiete, ist das eine Beleidigung. Das gehört sich nicht. In Deutschland im Internat war das so: Wenn ich gefragt habe, ob ich etwas von den Chips abhaben kann, sah man mich als Schmarotzer an. Das ist einfach eine andere Kultur, an die man sich gewöhnen musste […]“ mein erster Gedanke war natürlich: Hat er recht? Wird man wirklich direkt zum Schmarotzer, wie er es sagt? Nach kurzem Überlegen stellte ich fest das er Recht hat! Es ist oft wirklich so, auch wenn ich ausnahmen nicht leugnen möchte. Was mich aber noch viel mehr zum nacdenken anregte war zu sehen wie es in Thailand ist. Sind die Thailänder da eher ein wenig marokkanisch oder so richtig deutsch? Eins ist klar, die thailändische Kultur ist weder mit der deutschen, noch mit der marokkanischen Vergleichbar. Aber in diesem Fall sind die Thailänder wohl eher marokkanisch und nicht deutsch. Essen wird geteilt. Es ist egal ob man jemanden mag oder nicht, es ist egal wie lange man sich kennt, ob man gut befreundet ist oder nur ab und an ein paar Worte wechselt. Teilen ist Pflicht! Alles andere ist unhöflich und rückt dich automatisch in ein schlechtes Licht. Besonders als Austauschschüler möchtest du natürlich nicht schlecht dastehen. Aber ich muss zugeben, das es am Anfang komisch war alles zu teilen, was nicht daran lag das ich nicht teilen wollte, sondern vielmehr daran lag, das ich vorher gar micht gefragt wurde. Es ist hier so selbstverständlich das geteilt wird, dass dich schon niemand mehr fragt ob er sich was nehmen darf. Im Gegenteil, oft wurde ich sogar komisch angeschaut wenn ich erst gefragt habe anstatt mich einfach zu bedienen. Es brauchte eine Zeit bis ich mich daran gewöhnt hatte, das alles geteilt wird und ih auch nicht fragen brauche. Auch das essen im Restaurant wird geteilt. Jeder bestellt sich etwas, aber natürlich nicht nur für sich selbst, sondern um es mit allen anderen zu teilen. In Deutschland oft ein absolutes no-go beim anderen auch mal was vom Teller zu nehmen um es zu probieren, hier absolute Selbstverständlichkeit. Teilen geht überalles. Es ist Pflicht! Immer! Und keiner bezeichnet die anschließend als Schmarotzer. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass es unhöflich ist nicht alles mal zu probieren. Nicht zu teilen ist sowieso unhöflich.

Ich stellte fest das Yassin recht hatte. Was mich aber viel mehr überraschte war, das ich diese Erfahrung, wie er sie in Marokko machte selbst auch gemacht hatte. Es lies mich noch viel mehr über die kulturellen Unterschiede nachdenken.

Diese Sache ist beispielhaft für die kleinen Unterschiede zwichen zwei Kulturen. Sie ist beispielhaft für die Kleinigkeiten an die man sich im Ausland erst gewöhnen muss. Dinge, die in einer Kultur unhöflich sind können in einer anderen Kultur das Gegenteil sein. Das ist der Reiz eines Schüleraustausches. Das sind erfahrungen für die es nicht reicht in ein anderes Land zu fahren um dort Urlaub zu machen. Man muss in einer anderen Kultur auch lernen, das nicht immer alles so ist wie Mama und Papa es einem beigebracht haben. Dass Omas Moralpredigt zwar zur einen Kultur passt, in der anderen aber komplett anders seinen kann. (Das bezieht sich jetzt nicht auf die oben beschriebene Erfahrung. Da passte Omas Moralpredigt zum teilen 100% und auch Mama und Papa haben mich dort nicht ganz Deutsch erzogen 😉 ). In einer fremden Kultur musst du auch persönliche Einschnitte machen. Das ist es, was es heißt ein Austausch zu machen. Man lernt eine Kultur so kennen wie es anders wohl kaum möglich wäre. Es sind Erfahrungen, die dich bereichern und vielleicht auch ein wenig verändern. Das ist der Reiz der Sache und in gewisserweiße auch der Grund warum ich es umbedingt machen wollte. Eine Entscheidung die ich zu keiner Zeit richtig bereut habe.

6 Kommentare zu “„Dinge, die in einer Kultur unhöflich sind können in einer anderen Kultur das Gegenteil sein.“

  1. Johannes, das ist ein klasse Bericht. Ich freue mich sehr, dass du mit deiner Entscheidung immer noch zufrieden bist und wir haben sowieso aus deinen Erzählungen den Eindruck, dass du zufrieden bist dich die wohl fühlst.

    • Hi Johannes, bin ein richtiger Fan von Dir geworden. Alles Gute zum heutigen Tag ! Hab leider keine skype -Adresse, deshalb dieser kleine Umweg.
      Bis Bald

  2. Hi Johannes, bin ein richtiger Fan von Dir geworden. Alles Gute zum heutigen Tag ! Hab leider keine skype -Adresse, deshalb dieser kleine Umweg.
    Bis Bald

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